Eine traumatische Wendung – Geburtsbericht von Denise

Alles begann am 27.11.2015.

Am 27. haben wir uns noch gefreut über das schöne erste CTG! Trotzdem waren wir am Abend auf dem Weg in die Klinik – mit der kleinen war nichts, obwohl ich dachte etwas ist nicht in Ordnung. Dennoch sollte der Besuch nicht ohne Grund sein… denn ich hatte bereits regelmäßig starke Wehen! Dann hieß es Wehenhemmertropf – Tag und Nacht und liegen bleiben und nichts machen – ja nicht zu viel bewegen!

Jedes Mal wurde ich ab- und angeklemmt, wenn ich zur Toilette musste – ich war genervt, aber trotzdem dankbar, dass ich dort im Klinikum auf nette und freundliche Hebammen traf, die mich beruhigten und mir erklärten, dass selbst wenn die Maus jetzt kommt, sie es schaffen und überleben würde!

…dass das ganze so eine extreme traumatische Wendung nehmen würde, hätte niemand vorher geahnt!

Wir hörten dennoch nicht auf zu kämpfen und ich wünschte mir nichts mehr, als an Weihnachten noch schwanger sein zu können! Wir gewannen den Kampf – die Maus entschloss sich doch noch eine Weile in Mamas Bauch zu bleiben – mit 1300g und 37cm war sie nun wirklich noch zu klein, um die Welt zu entdecken!

Am 3. Dezember konnten wir dann das Krankenhaus verlassen und für mich hieß es: Arbeitsverbot! ??

Von einer schönen Schwangerschaft konnte ich also nicht berichten…auch nicht vor dem Besuch im Krankenhaus! Von Tag 1 an verfolgten mich Kreislaufprobleme, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und im nächsten Moment Heißhunger!?

Alles was ging nahm ich mit…auch das Ende der Schwangerschaft verlief mit Problemen…!

Zuerst eine Bakterielle Infektion und daraus dann die Frage ob ein Kaiserschnitt gemacht werden muss…ich wollte keinen!

Ich wollte mein Baby natürlich zur Welt bringen – alleine!!

Auch ohne PDA !! Diese Tage und Wochen waren nervenaufreibend ohne Ende. Aber auch das verschwand und wir konnten kurz aufatmen…zum Ende der Schwangerschaft kamen dann Beschwerden wie Wasser in den Beinen und derbe kaum auszuhaltende Rückenschmerzen dazu & auch das sollte nicht das Ende sein.

Im Januar dann der absolute Schock – meine Mama hat einen Gehirntumor .. ich weiß noch wie hysterisch ich ins Zimmer meiner Frauenärztin gelaufen bin mit meiner Kugel und einfach nur gebettelt habe um Beruhigungsmittel oder der gleichen – ohne Erfolg. Noch im Januar wurde eine Biopsie gemacht und es kam heraus, dass der Tumor bösartig war! Im Februar sollte er entfernt werden – meine Mama! Operiert am Gehirn und ich hoch schwanger waren absolut keine gute Kombi…wir haben oft geweint und hatten große Angst vor der OP.

Gott sei dank hatten wir Glück…noch vor der Geburt wussten wir, dass Mama alles gut überstanden hat – der Tumor konnte gut entfernt werden & es bleiben keine Schäden am Gehirn. Von da an war Soey unser kleiner Engel der meiner Mama sehr viel Kraft geschenkt hat ‚denn sie sagte immer – ich muss doch zur Geburt meiner ersten Enkeltochter da sein!

Dennoch musste sie noch lange im Krankenhaus bleiben und es war nicht sicher ob sie direkt nach der Geburt bei uns sein konnte…wieder ein Rückschlag, der aber noch zu verkraften war!

Die Zeit verflog mit Besuchen im Krankehaus, Chemotherapien, usw.. bis am 18.2 starke Wehen da waren und wir sofort ins Krankenhaus fuhren. Nach einem langen CTG schickten die Hebammen uns nach Hause, da die besagten Wehen da waren aber noch sehr unregelmäßig waren. Ich hatte von da an STARKE WEHEN! Am 19.2.16 (Freitag) – am errechneten Geburtstermin – war ich dann also zum aller letzten Mal bei meiner lieben Frauenärztin und wieder ein Rückschlag: zu wenig Fruchtwasser – sofort ins Krankenhaus und einleiten.

Ich war guter Dinge…dass ich dann das furchtbarste in meinem Leben erleben musste, war mir nicht bewusst.

Abgehärtet war ich ja durch Mama und auch mein Vater ist nicht gesund – auch er ist schwerkrank. Aufgeben gab es für uns nie! Also liefen wir absolut motiviert ins Krankenhaus (Freitag Nachmittag, 19.2.), bezogen das Zimmer und sprachen mit der Hebamme, die uns zuerst mitteilte, dass wir ein Öl auf den Bauch reiben sollten das wehenfördernd ist. Leicht verarscht fühlten wir uns dann, denn es war nichts passiert außer weiter anhaltenden starken Wehen und man hielt uns hin und sagte uns, dass die Ärzte jetzt am Wochenende eh nichts machen (das war am Samstag, 20.2.).

Ich erinnere an dieser Stelle nochmal daran, dass ich bereits zu wenig Fruchtwasser hatte! Am Sonntag (21.2.) wurde dann doch das erste mal eingeleitet – ein Gel welches an den Muttermund gesetzt wurde – die Wehen wurden stärker, jedoch tat sich am Muttermund nichts – er blieb zu.

Wir fragten, ob man Nachmittags noch einmal einleiten würde und wurden enttäuscht! Ich sollte laufen – laufen – laufen, Treppen steigen und durchhalten! Wir waren immer noch motiviert! Man sagte uns auch (ich zitiere die Hebamme) ‚dass man nur einmal am Tag mit Gel einleiten würde, weil die Nacht sonst unruhig wäre und man dann für den Tag keine Kraft mehr hätte‘ – bis dahin klang das noch logisch…

An diesem Tag nachmittags kam mein Mann dann plötzlich mit meinen Eltern – ja mit MAMA & Papa ins Krankenhaus – Gott, was hab ich mich gefreut, dass meine Mama entlassen wurde und dann direkt bei mir war.

Diesmal gab sie uns Kraft! An Tag 4 (Montag, 22.2.) besprachen wir dann mit dem Arzt, dass wir es noch einmal mit dem Gel versuchen. Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen und es fällt mir immer noch schwer darüber zu sprechen, denn von da an sollte der absolute Horrorfilm beginnen!

Das Gel war gesetzt , die wehen wurden stärker und stärker und es tat sich (nicht anders zu erwarten ) am Muttermund gar nichts…

Der Arzt entschied nachmittags noch einmal einzuleiten, um das ganze dann eventuell in Gang zu bringen…wir waren skeptisch, ich war ja eh schon kaputt – hätte ich noch eine Portion Gel verkraftet!? Die Wehen waren so stark zu dem Zeitpunkt, dass ich sie regelmäßig veratmen musste… Mein Mann und ich sprachen lange darüber.

Dann lag ich wieder am CTG – plötzlich kam eine Wehe und Soey’s Herztöne waren währenddessen weg… wir waren geschockt – die Hebamme meinte allerdings, dass es ’normal wäre, dass das passiert‘ …

Wir waren uns von da an einig: wir wollen einen Kaiserschnitt.

Diese Entscheidung fiel uns alles andere als einfach…wir wollten doch unbedingt diese natürliche Geburt… aber ich hatte große Sorge um Soey, aber auch um mich selbst. Die Sorge lies nicht nach.. und es war im Endeffekt betrachtet die richtige Entscheidung – zu dem Zeitpunkt war ich sehr unsicher, weil ich ja wie gesagt alles wollte, aber absolut niemals einen Kaiserschnitt.

Ich hab auf mein Bauchgefühl vertraut. Ab da an waren auch alle denen wir begegneten unfreundlich zu uns…auch der Arzt zeigte wenig Verständnis. Trotzdem plante er auf unseren Wunsch den Kaiserschnitt für den nächsten Morgen (Dienstag morgen, den 23.2.16)!

Da war dann eine Hebamme bei, die meinte, dass ich es halbherzig probiert hätte…unfassbar schlimme verletzende Worte waren das für mich, in dieser Situation!

Wir waren zuversichtlich, dass wir ganz bald unsere Maus im Arm haben & diese Geburt endlich ein Ende findet – mehr war uns nicht mehr wichtig… ich war kaputt und unfassbar erschöpft von 5 (!!!) Tagen sehr sehr starken Wehen!!

Die Nacht, die dann kam werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen: Abends ging ich noch einmal hoch zum CTG – dort war dann eine Hebamme, die mich mit Schmerzmittel abspeiste und sagte: ‚dann lass dir doch den Bauch aufschneiden! Damit wirst du dein ganzes Leben zu kämpfen haben – ein zweites Kind kannst du dann vergessen!‘ Das war mein Ende – dass ich alleine war, wusste ich, dass mir dort keiner Zuwendung schenkte auch.

Mir wurde klar, mir wurde die ganze Zeit nicht geholfen. Weder körperlich noch psychisch .. Unten kurz vor meinem Zimmer platzte es dann aus mir heraus – ich habe fürchterlich geweint… ich telefonierte lange mit meinem Mann.

Er machte mir Mut! Unten auf der Station, wo alle mit ihren Babys lagen (übrigens auch beide Mamis mit Babys in meinem Zimmer) kam dann eine liebe Hebamme auf mich zu und beruhigte mich… auch sie gab mir in dem Moment viel Kraft.

Die Nacht war heftig. Ich verlor den Schleimpropf, lief hoch – bekam Schmerzmittel und sollte schlafen – das übliche.. und dann ging es los!

Alle paar Minuten eine Wehe (Dienstag morgen, gegen 4 Uhr) – ich hatte keine Kraft auf die Uhr zu sehen, wusste also nicht genau in welchem Abstand sie kamen.. ich wusste nur, der Abstand war sehr sehr kurz.. ich hatte kein Auge zu gemacht und konnte dann auch, trotz Schmerzmittel, nicht schlafen.

Den Weg nach oben sparte ich mir und hielt es aus…leise, denn ich wollte weder beide Babys , noch die Mamis wecken.

Endlich – Dienstag morgen, Frühstück bekam ich natürlich nicht – der Kaiserschnitt stand ja an & zu dem Zeitpunkt hätte ich eh nichts runterbekommen. Eine Frau war da, die wissen wollte, was ich essen möchte in den nächsten Tagen – ich meine, mein Mann beantwortete meine Fragen, denn ich konnte keine Minute mehr durchatmen. Ich wurde dann verlegt in den Kreissaal und vorbereitet für die OP. Ich erinnere mich kaum daran – zum Schluss gegen 12 Uhr kamen die Wehen ohne Pause .. Schmerzmittel war überflüssig – wurde trotzdem angehangen…wenn mich jetzt jemand fragt, sage ich, ich dachte ich muss sterben. Ich hörte nur noch nebenbei der Hebamme zu ‚Blasenkatheter…Zugang..usw.‘ …

Ich wollte nicht mehr, ich wollte das es endet, egal in welcher Weise…ich hatte keine Kraft mehr!

Dennoch war ich alleine…so starke Schmerzen hatte ich vorher noch nie .. Um 13 Uhr sollte ich in den OP kommen – 15 min vorher also um 12:45 war der Muttermund dann auf 5cm! Die Frage erübrigte sich, ob ich es so versuchen will…ich war durch. Im OP angekommen sollte ich mich für die Rückenmarks-Narkose hinsetzen…leichter gesagt als getan, denn da hatte ich bereits Geburtswehen.

Ich erinnere mich an die Blicke…sie waren kalt, der OP war kalt ..

Hebammen und Ärzte standen mit Handschuhen und erhobenen Händen – bereit für die Operation – vor mir und sahen mich an als würde ich maßlos übertreiben (so war zumindest mein Gefühl in dem Moment) – ich sah noch die Gerätschaften vor mir auf einem großen Tisch mit zwei Menschen dahinter ehe ich mich hinlegen sollte. Dann der erlösende Moment: die Narkose wirkte und alle schmerzen waren ganz plötzlich verflogen – die OP began und ich wäre auf dem Op-Tisch fast eingenickt.

Dann schrie meine Maus – ich erinnere mich ganz klar an den Moment …es war so ein ‚ist auch wirklich alles gut?!!‘ …dann leider lässt die Erinnerung nach – ich sah Soey, war aber zu schwach, um das ganze wirklich wahrzunehmen! Auch den Weg bis in den Kreißsaal zurück weiß ich nur noch in Bruchstücken .. ‚gleich fertig, Frau Kielgas..‘ – ‚jetzt einmal zurück in ihr Bett‘ – ich muss halb geschlafen haben.

Um 14:02 Uhr erblickte also meine kleine Maus Soey Charleen das Licht der Welt! Nach 6 qualvollen Tagen war endlich alles vorbei dachten wir!

Doch es hörte nicht auf…ich wollte stillen, doch es klappte nicht auf Anhieb. ..mir wurde ins Gewissen geredet, dass es ja das beste für das Kind sei, aber wirklich erklärt hat es mir niemand & ich war zu schwach, um alles zu hinterfragen…ich wurde auch abends so unter Druck gesetzt, dass ich mich dann dagegen entschieden habe…leider. Die Hebamme meinte ich müsse mich mal entscheiden, ansonsten müssen die das Kind halt anders versorgen. Ich war wieder alleine… der einzige, der nicht von meiner Seite wich war mein Mann! Ich bin so dankbar das wenigstens er da war. Nach der Geburt kamen dann meine Schwiegereltern und meine Eltern – ich sehe auf Fotos, wie sie die Kleine halten – allerdings kann ich mich an keine Details mehr erinnern – ich war zu erschöpft. In der Nacht gab ich die Kleine dann den Hebammen mit, denn ich hatte 48 Stunden nicht geschlafen. Ich vertraute ihnen bis dahin noch, ich vertraute darauf, dass sie wenigstens mit einem frisch geborenen Baby gut umgehen würden.

Der erste Tag mit Soey (Mittwoch, 24.2. ) verlief gut, ich stand auf – die Narbe sah gut aus & ich fühlte mich besser – es gab wundervollen Besuch von all unseren Lieben.

An diesen Tag erinnere ich mich gerne! Die Nacht vom 25. auf den 26.2. änderte dann wieder alles …das Schicksal nahm seinen Lauf…

Ich gab Soey in dieser Nacht ab, weil sie Bauchschmerzen hatte…mir war nicht wohl dabei, ich wusste mir aber nicht anders zu helfen – ich hab es nicht geschafft aufzustehen und sie zu beruhigen, vielleicht zu schaukeln oder sonstiges… ein großer Fehler, denn wie wir am nächsten morgen erfahren mussten, wurde in dieser Nacht wo ich Soey wegen starker Bauchschmerzen abgab DER Bluttest gemacht – bei dem ich und mein Mann doch unbedingt für die kleine Maus dabei sein wollten… ein tiefer Rückschlag. Am 26.2. entließ ich mich daraufhin selbst.

Gott sei dank war mit Soey und mit mir alles in Ordnung…es stand uns nichts im Weg – wir gingen. Jetzt ein Jahr später habe ich die Geschichte weitestgehend überwunden

Wir mussten allerdings umziehen, da ich in unserem Badezimmer (ohne Fenster) Panikattacken entwickelte, die soweit gingen das ich über mehrere Stunden nicht einmal auf Toilette gegangen bin. Ich möchte anderen Mamas Mut machen, die vielleicht Bedenken haben, was die Geburt angeht… vertraut auf euer Bauchgefühl – es zeigt euch den Weg! Hört nicht auf dumme Sprüche – steht hinter eurer Meinung! Wir wünschen uns noch zwei weitere Geschwister für Soey – beide werden (wenn sie nicht spontan kommen) per geplanten Kaiserschnitt geboren.

Ich bin stark und lasse mich nicht von dieser Entscheidung abbringen. An alle die auch so etwas furchtbares erleben mussten: Seid stark liebe Mamis!

Denise / @allaboutfraumaus

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