Habe ich Elternzeit als Studentenmama?

Als ich mitten im Studium plötzlich schwanger wurde, war es für uns eine große Überraschung. Eine geplante Überraschung. Wir wünschten uns nichts anderes, als nach der Hochzeit ein Baby zu bekommen. Denn einen richtigen Zeitpunkt dafür gibt es einfach nicht. Aber ob geplant oder ungeplant, so ein positiver Schwangerschaftstest macht das Thema Baby erst ab diesem Zeitpunkt zu einer greifbaren Tatsache. Die Gedanken kreisen los! So zum Beispiel auch, ob ich als Studentenmama Elternzeit hätte. Denn schließlich wollte ich Zeit mit meinem Baby verbringen…

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ Zitat
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Wie geht es weiter mit dem Studium?

Selbstverständlich habe ich mir auch schon vorher viele Gedanken gemacht, wie es mit dem Studium weitergehen würde, falls es mit dem Schwangerwerden schnell klappen sollte. Für die bewusste Entscheidung ein Kind zu bekommen, obwohl ich noch studiere, gab es genügend persönliche Gründe. Der Kinderwunsch existierte bei mir schon seit 2-3 Jahren und nun hatte ich auch den richtigen Partner an meiner Seite, dem ich nach nur 10 Monaten das Ja-Wort gegeben hatte. Er stand kurz vor dem Ende seines Studiums und hätte uns somit finanziell halten können. Denn auch das ist sehr wichtig zu bedenken. Eine Grundsicherung ist notwendig, damit man später keine Existenzängste haben muss. Schließlich kostet ein Kind einiges an Geld. Letztendlich stand für mich fest: ich werden das Studium beenden – mit Kind!

Mit Kind auf dem Schoß lernen

Schwangerschaft und Studieren

Die gesamte Schwangerschaft bin ich tatsächlich noch zur Uni gegangen. Naja, besser gesagt, ich kugelte mich in den letzten Schwangerschaftswochen dahin 😀 …ich traf zum Glück auf viel Verständnis von den Dozierenden und auch von Kommilitonen. Das schöne an einer großen Universität wie hier in Köln ist, dass man fast in jeder Veranstaltung auf Mütter oder Väter trifft, die ihre Kinder auch mal mitnehmen. Aber auch schwangere Kommilitoninnen sieht man öfter als man vermuten könnte. Man ist somit nie alleine, wenn man sich recht umschaut. Hier holte ich mir auch viele Tipps und Erfahrungsberichte, was mir Mut machte und ich diesem Thema weiterhin sehr optimistisch entgegensah.

Elternzeit als Studentenmama

Jede schwangere Frau hat zunächst ein Recht auf Mutterschutz, wenn sie denn in einem Arbeitsverhältnis steht. Als Studentin traf dies somit nicht auf mich zu. Das gleiche gilt leider auch für die Elternzeit. Kurz gesagt: Als Studentenmama hast du keine Elternzeit!

Natürlich gelten hier an der Universität andere Grundrechte. So kann man bereits in der Schwangerschaft ein Urlaubssemester beantragen. Die Semestergebühren muss man dennoch bezahlen. Auch für die Beurlaubung aufgrund von Kindererziehung zahlt man wie gewohnt die Beiträge. Zudem ist grundsätzlich das Erbringen von Prüfungsleistungen (bis auf einige Ausnahmen) auch nicht möglich in dieser Zeit. Im Studium kommt man somit nicht vorwärts. Daher entschloss ich mich damals: Ich nehme keine ‚Elternzeit‘ bzw. kein Urlaubssemester!

Kein Wunder, dass wir Bücher lieben. Wie die Mama, so die Tochter ♡

Studentenmama sein – zwischen Büchern und Windeln

Was wir nicht vorhersehen konnten, war die komplikationsreiche Geburt, bei der ich fast gestorben bin. Dazu habe ich einen kleinen Einblick in einem Brief an meine Tochter gegeben. Doch ich lies mich nicht unterkriegen nach dem schweren Schicksalsschlag! Dank der liebevollen Unterstützung meiner Eltern konnte ich nach einigen Wochen wieder auf den Beinen stehen. Mit Schmerzen und Tränen ging ich wieder zur Uni. Ich saß weinend in den Seminaren und Vorlesungen. Doch es half mir, mich von dem seelischen Schmerz abzulenken, sodass ich nicht in tiefere Depressionen gefallen bin.

So kann es aussehen, wenn man sein Kind mit zur Uni nimmt 😀

Meine Vorstellung in der Schwangerschaft sah so aus, dass ich meine Maus zur Uni mitnehmen würde. Doch aus gesundheitlichen Gründen konnte ich dies leider nicht tun. Erst als sie laufen konnte und ich sie nicht mehr so viel tragen musste, nahm ich sie ab und zu mit. Es klappte wirklich gut! Während ich, als Studentenmama, mit lauter Büchern und Schnullern vor mir an einem Tisch saß, in meinem Rucksack die Windeln zwischen den Heftern lagen und die Milchflasche neben meiner Wasserflasche stand, beschäftigte sich meine Tochter neben mir. Sie malte oder stellte ihre Spielzeuge in einer Reihe auf, spielte damit und in den Pausen durfte sie auch mal auf dem Whiteboard kritzeln 😀

Mini-Student – früh übt es sich 🙂

Ende gut, alles gut!

Auch wenn ich noch lange nicht mit dem Lehramtsstudium fertig bin, so habe ich zumindest schon einmal mein Bachelorstudium MIT Kind erfolgreich abschließen können. Ein Kind ist kein Hindernis, um studieren zu können. Beides ist unter einen Hut zu bekommen. Es erfordert viel Organisation, Geduld, Ehrgeiz, Willensstärke und ZEIT! Zeit ist kostbar, daher sollte man nie auf etwas warten.

Zeit ist kostbar. Mit einem Kind wird sie unbezahlbar.
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Es zerrt manchmal an den Nerven, aber auch ohne Elternzeit kann man ein Kind groß ziehen – ob man als Mama Vollzeit studiert oder arbeiten geht. Es ist eine Sache des Wollens und ein wenig des Könnens…denn es kommt auch immer auf die äußeren Umstände der Menschen an, die man häufig nicht auf den ersten Blick erkennt. Man weiß nicht, was dieser Mensch durchlebt hat, welche Sorgen er hat …daher gehört auch immer ein großes Stück Empathie und Verständnis dazu. Ich habe dadurch viel dazugelernt und es hat mich um eine wertvolle Erfahrung in meinem Leben reicher gemacht.

Mit viel Geduld und Willensstärke auch mit Kind das Bachelorstudium absolviert

♡ Eure Leni ♡ XOXO

1 Comment

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  1. 1
    Saskia

    Hallo und vielen Dank für die Einblicke! Bei uns an der Uni (Erfurt) ist das anders geregelt: Man kann bis zu drei Urlaubssemester als Elternzeitsemester beantragen und muss dann auch keine Gebühren bezahlen, darf jedoch trotzdem bis zu 21 LP pro Semester ablegen. Ich kenne etliche Studentenmamas/-papas, an deren Unis das ähnlich geregelt ist. Pauschale Aussagen wie „man hat keine Elternzeit“, „man muss Beiträge trotzdem bezahlen“ oder „man darf keine Prüfungsleistungen ablegen“ stimmen demnach so nicht. Es wäre besser, wenn du das direkt auf deine Uni beziehst, da dies sonst viele Studenten, die das hier lesen und evtl. in einer ähnlichen Situation stecken, verunsichern könnte. Nur so als kleiner Tipp von einer Beraterin für Studenten mit Kind(ern) 😉 LG!

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